Du hast ein schönes Schnittmuster gefunden, deinen Lieblingsstoff ausgesucht und möchtest endlich mit dem Nähen beginnen. Doch bevor du zur Schere greifst, taucht eine wichtige Frage auf: Ist die Nahtzugabe im Schnittmuster bereits enthalten oder musst du sie noch hinzufügen?
Gerade für Nähanfänger kann diese Frage verwirrend sein. Wird die Nahtzugabe vergessen, kann das fertige Kleidungsstück zu klein ausfallen. Wird sie versehentlich doppelt hinzugefügt, entsteht dagegen möglicherweise ein zu großes Kleidungsstück.
Die gute Nachricht: Eine Nahtzugabe lässt sich mit wenigen Handgriffen erkennen, berechnen und korrekt auf den Stoff übertragen. Du musst dafür weder besonders gut rechnen können noch über jahrelange Näherfahrung verfügen.
In diesem Ratgeber erklären wir dir Schritt für Schritt, wie du die Nahtzugabe in einem Schnittmuster erkennst, welche Nahtzugaben beim Nähen üblich sind und wie du sie an geraden und gebogenen Schnittkanten richtig hinzufügst.
Nahtzugaben-Rechner
Berechne die richtige Nahtzugabe für dein Schnittmuster und ermittle die benötigten Zuschnittmaße.
1. Maße des Schnittteils
Gib die Maße zwischen den vorgesehenen Nahtlinien ein. Die Nahtzugabe darf in diesen Maßen noch nicht enthalten sein.
2. Nahtzugaben festlegen
Gib für jede Seite die gewünschte Nahtzugabe an. Du kannst auch unterschiedliche Werte verwenden.
Tipp: Für eine einfache Naht kannst du beispielsweise 1 cm verwenden. Am unteren Saum kann eine größere Zugabe erforderlich sein.
Zusätzliche Breite: 2 cm
Zusätzliche Höhe: 4 cm
30 + 1 + 1 = 32 cm
40 + 1 + 3 = 44 cm
Was ist eine Nahtzugabe? Einfach erklärt
Die Nahtzugabe ist der zusätzliche Stoffbereich zwischen der späteren Nahtlinie und der Schnittkante. Sie wird benötigt, damit zwei Stoffteile miteinander vernäht werden können, ohne dass dabei die vorgesehenen Maße des fertigen Kleidungsstücks verloren gehen.
Wenn du beispielsweise zwei Stoffteile mit einer Nahtzugabe von jeweils 1 cm zusammennähst, verläuft die Naht normalerweise 1 cm von den jeweiligen Schnittkanten entfernt.
Der Stoffbereich zwischen Naht und Schnittkante befindet sich anschließend im Inneren des Kleidungsstücks. Er kann je nach Material und Verarbeitung beispielsweise versäubert, auseinandergebügelt oder gemeinsam mit einer Overlocknaht verarbeitet werden.
Die Nahtzugabe ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Zuschnitts. Sie sorgt dafür, dass du die einzelnen Stoffteile entlang der vorgesehenen Linien zusammennähen kannst und das fertige Kleidungsstück die gewünschten Maße erhält.
Was ist der Unterschied zwischen Nahtlinie und Schnittlinie?
Damit du die Nahtzugabe richtig berechnen kannst, solltest du zunächst die beiden wichtigsten Linien eines Schnittmusters unterscheiden:
- Nahtlinie: Auf dieser Linie werden die Stoffteile später zusammengenäht. Sie bestimmt den tatsächlichen Verlauf der Naht und damit die vorgesehene Form und Größe des Kleidungsstücks.
- Schnittlinie: Entlang dieser Linie wird der Stoff zugeschnitten. Wenn eine Nahtzugabe vorgesehen ist, liegt die Schnittlinie entsprechend weiter außen.
Der Abstand zwischen Nahtlinie und Schnittlinie entspricht der Nahtzugabe.
Beispiel: Bei einer vorgesehenen Nahtzugabe von 1 cm und einer geraden Naht verläuft die Schnittlinie 1 cm außerhalb der Nahtlinie.
Ist die Nahtzugabe im Schnittmuster enthalten? So erkennst du es
Eine der häufigsten Fragen beim Nähen lautet: Ist die Nahtzugabe im Schnittmuster bereits enthalten?
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Manche Schnittmuster enthalten bereits eine festgelegte Nahtzugabe, während bei anderen Schnittmustern die Nahtzugabe vor dem Zuschneiden selbst hinzugefügt werden muss.
Du solltest deshalb bei jedem neuen Schnittmuster überprüfen, welche Vorgehensweise der jeweilige Anbieter vorsieht.
1. Lies die Nähanleitung aufmerksam durch
Der einfachste Weg führt über die Nähanleitung. Bei vielen Schnittmustern findest du bereits auf den ersten Seiten einen Hinweis zur Nahtzugabe.
Achte insbesondere auf Formulierungen wie:
- Nahtzugabe bereits enthalten
- Inklusive 1 cm Nahtzugabe
- Nahtzugabe ist nicht enthalten
- Nahtzugabe muss selbst hinzugefügt werden
- Schnittteile enthalten 1 cm Nahtzugabe und 3 cm Saumzugabe
Wird beispielsweise angegeben, dass eine Nahtzugabe von 1 cm bereits enthalten ist, kannst du die entsprechenden Schnittteile normalerweise direkt entlang der äußeren Schnittlinien zuschneiden.
Steht dagegen ausdrücklich, dass die Nahtzugabe nicht enthalten ist, musst du sie vor dem Zuschneiden ergänzen.
Wichtig: Bei manchen Schnittmustern unterscheiden sich die Zugaben für Seitennähte, Schulternähte, Halsausschnitte und Säume. Prüfe deshalb immer die vollständige Anleitung.
2. Überprüfe die Beschriftung auf den Schnittteilen
Zusätzlich zur Nähanleitung können auf den einzelnen Schnittteilen Hinweise zur Nahtzugabe stehen.
Manche Schnittmuster zeigen sowohl die Nahtlinie als auch die äußere Schnittlinie. Andere enthalten lediglich eine Schnittlinie und geben den Abstand zur späteren Naht in der Anleitung an.
Wenn zwei Linien vorhanden sind, solltest du zunächst anhand der Legende überprüfen, welche Linie welche Funktion hat.
Eine zweite Linie bedeutet nicht automatisch, dass es sich um die Nahtzugabe handelt. Sie kann beispielsweise auch eine Größenlinie, eine Markierung für eine andere Modellvariante oder eine Linie für die Saumverarbeitung darstellen.
3. Kontrolliere den Maßstab beim ausgedruckten Schnittmuster
Wenn du ein PDF-Schnittmuster zu Hause ausdruckst, solltest du zunächst überprüfen, ob es in der richtigen Größe ausgedruckt wurde.
Viele digitale Schnittmuster enthalten ein Kontrollquadrat, das beispielsweise 5 × 5 cm oder 10 × 10 cm groß sein soll.
Miss dieses Quadrat nach dem Ausdrucken mit einem Lineal nach. Stimmen die angegebenen Maße nicht mit dem Ausdruck überein, solltest du die Druckeinstellungen überprüfen.
Wähle beim Ausdrucken die vom Schnittmusteranbieter empfohlene Skalierung. Häufig ist dies die Einstellung „Tatsächliche Größe“ beziehungsweise 100 %.
Achtung: Ein falsch skaliertes Schnittmuster verändert nicht nur die Größe der Schnittteile, sondern auch eventuell eingezeichnete Nahtzugaben. Deshalb solltest du den Maßstab überprüfen, bevor du mit dem Zuschnitt beginnst.
4. Was tun, wenn keine Nahtzugabe angegeben ist?
Wenn weder die Nähanleitung noch das Schnittmuster selbst einen eindeutigen Hinweis enthalten, solltest du die Nahtzugabe nicht einfach schätzen.
Bei gekauften Schnittmustern kannst du zunächst auf der Website des Anbieters nach einer ergänzenden Anleitung oder einer FAQ zur Nahtzugabe suchen.
Fehlen weiterhin eindeutige Angaben, kann eine Nachfrage beim Anbieter sinnvoll sein.
Gerade bei Schnittmustern für eng anliegende Kleidung oder aufwendig verarbeitete Kleidungsstücke kann eine falsche Nahtzugabe die Passform erheblich verändern.
Wie viel Nahtzugabe braucht man? Die wichtigsten Richtwerte
Die richtige Breite der Nahtzugabe hängt vom verwendeten Stoff, der vorgesehenen Naht und der jeweiligen Verarbeitung ab.
Für viele Kleidungsstücke werden Nahtzugaben von ungefähr 1 cm bis 1,5 cm verwendet. Bei bestimmten Nähtechniken, dünnen Stoffen oder Rundungen können auch kleinere Zugaben sinnvoll sein.
Entscheidend sind jedoch immer die Angaben im jeweiligen Schnittmuster und in der Nähanleitung.
Nahtzugabe-Tabelle: Wie viel Zentimeter sind üblich?
| Naht oder Verarbeitung | Häufig verwendete Zugabe | Hinweise |
|---|---|---|
| Seitennähte bei Kleidung | 1–1,5 cm | Abhängig von Schnittmuster, Stoff und Verarbeitung. |
| Schulternähte | 1–1,5 cm | Die vorgegebene Zugabe des Schnittmusters beachten. |
| Halsausschnitt mit Beleg | 0,7–1 cm | Die Zugabe kann je nach Verarbeitung variieren. |
| Overlocknähte | Häufig 0,7–1 cm | Abhängig von der Schnittmusterangabe und der eingestellten Nahtbreite. |
| Saum bei T-Shirts | Häufig 2–3 cm | Je nach gewünschtem Saum und Verarbeitung. |
| Saum bei Kleidern und Röcken | Häufig 2–4 cm | Abhängig von Stoff, Schnitt und Saumtechnik. |
| Saum bei Hosen | Häufig 3–4 cm | Je nach Modell und gewünschter Saumverarbeitung. |
| Französische Naht | Je nach Anleitung | Die Zugabe muss zur Aufteilung auf beide Nähschritte passen. |
Die genannten Werte dienen lediglich als Orientierung. Wenn dein Schnittmuster eine andere Nahtzugabe vorschreibt, solltest du dich grundsätzlich an die jeweiligen Angaben halten.
Eine Nahtzugabe von 1,5 cm kann beispielsweise praktisch sein, wenn du während einer Anprobe noch kleine Änderungen an der Passform vornehmen möchtest. Ob dafür ausreichend Stoff zur Verfügung steht, hängt jedoch vom Schnitt und der konkreten Änderung ab.
Nahtzugabe richtig berechnen: Die einfache Formel
Wenn dein Schnittmuster keine Nahtzugabe enthält, musst du die benötigte Stoffzugabe selbst hinzufügen.
Bei geraden Schnittkanten ist die Berechnung besonders einfach: Du ergänzt den vorgesehenen Abstand zwischen Nahtlinie und Schnittlinie auf der jeweiligen Seite des Schnittteils.
Formel für ein rechteckiges Schnittteil mit gleich breiter Nahtzugabe auf allen vier Seiten:
Zuschnittbreite = fertige Breite des Schnittteils zwischen den Nahtlinien + 2 × Nahtzugabe
Zuschnittlänge = fertige Länge des Schnittteils zwischen den Nahtlinien + 2 × Nahtzugabe
Diese Formel gilt, wenn an beiden gegenüberliegenden Kanten jeweils dieselbe Nahtzugabe vorgesehen ist. Bei einem Saum, einem Stoffbruch oder einer Kante ohne Nahtzugabe muss die Berechnung entsprechend angepasst werden.
Beispiel: Nahtzugabe von 1 cm berechnen
Du möchtest ein rechteckiges Stoffteil zuschneiden, dessen Maße zwischen den vier späteren Nahtlinien 30 cm in der Breite und 40 cm in der Länge betragen.
An allen vier Seiten soll eine Nahtzugabe von jeweils 1 cm hinzugefügt werden.
Die Berechnung lautet:
- Breite: 30 cm + 1 cm + 1 cm = 32 cm
- Länge: 40 cm + 1 cm + 1 cm = 42 cm
Du benötigst also ein Stoffteil mit den Zuschnittmaßen 32 × 42 cm.
Die zusätzliche Breite und Länge wird beim Zusammennähen entsprechend der vorgesehenen Nahtzugabe verbraucht.
Beispiel: Nahtzugabe von 1,5 cm berechnen
Du verwendest dasselbe Schnittteil mit den ursprünglichen Maßen 30 × 40 cm. Diesmal möchtest du an allen vier Seiten eine Nahtzugabe von 1,5 cm hinzufügen.
- Breite: 30 cm + 1,5 cm + 1,5 cm = 33 cm
- Länge: 40 cm + 1,5 cm + 1,5 cm = 43 cm
Die Zuschnittmaße betragen in diesem Fall 33 × 43 cm.
Merke: Wenn auf zwei gegenüberliegenden Seiten jeweils eine Nahtzugabe vorgesehen ist, musst du die Zugabe zweimal berücksichtigen. Bei einer einzelnen Nahtkante wird sie dagegen nur einmal hinzugefügt.
Nahtzugabe hinzufügen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Bei Schnittmustern mit geschwungenen Linien reicht es nicht aus, lediglich die Gesamtbreite und Gesamtlänge eines Schnittteils zu vergrößern.
Damit die vorgesehene Form erhalten bleibt, musst du die Nahtzugabe entlang der jeweiligen Schnittkontur ergänzen.
Das funktioniert sowohl bei geraden Schnittkanten als auch bei Rundungen und komplizierteren Formen.
Schritt 1: Schnittmuster vorbereiten
Schneide das Schnittmuster entsprechend der Anleitung aus oder übertrage die benötigte Größe auf Schnittmusterpapier.
Prüfe anschließend, ob die eingezeichnete Kontur tatsächlich der Nahtlinie entspricht und welche Zugaben an den einzelnen Kanten ergänzt werden müssen.
Bei einem Schnittmuster ohne Nahtzugabe stellt die äußere Linie normalerweise die vorgesehene Nahtlinie dar, sofern der Anbieter keine anderen Angaben macht.
Schritt 2: Benötigte Nahtzugabe festlegen
Lege fest, welche Nahtzugabe du an der jeweiligen Kante benötigst.
Für viele einfache Nähprojekte sind 1 cm oder 1,5 cm übliche Werte. Bei besonderen Verarbeitungen können jedoch andere Zugaben erforderlich sein.
Wichtig ist, dass die Nahtzugaben zusammengehöriger Schnittteile zueinander passen und du später mit der vorgesehenen Nahtbreite nähst.
Schritt 3: Abstand entlang der Nahtlinie markieren
Verwende ein Lineal, ein Handmaß oder ein spezielles Nahtzugabenlineal.
Markiere entlang der Nahtlinie in kurzen Abständen die gewünschte Zugabe nach außen.
Bei einer Nahtzugabe von 1 cm setzt du die Markierungen also jeweils 1 cm außerhalb der ursprünglichen Nahtlinie.
Bei geraden Kanten lässt sich dieser Abstand besonders einfach mit einem Lineal übertragen.
Bei gebogenen Linien solltest du darauf achten, dass die Markierungen möglichst senkrecht zur jeweiligen Nahtkontur gemessen werden. Dadurch entsteht eine gleichmäßig breite Zugabe entlang der Rundung.
Schritt 4: Neue Schnittlinie einzeichnen
Verbinde die Markierungen zu einer gleichmäßigen äußeren Linie.
Bei geraden Kanten kannst du dafür ein Lineal verwenden. Für Halsausschnitte, Armausschnitte und andere Rundungen eignet sich ein Kurvenlineal.
Die neu eingezeichnete äußere Linie stellt die Schnittlinie dar. Entlang dieser Linie wird der Stoff später zugeschnitten.
Kontrolliere insbesondere an Ecken und Übergängen, ob die Zugabe zur vorgesehenen Nahtverarbeitung passt. Bei schräg verlaufenden Nähten und komplizierten Rundungen kann es erforderlich sein, den Verlauf der Nahtzugabe entsprechend anzupassen.
Schritt 5: Schnittmuster auf den Stoff übertragen
Lege das Schnittmuster entsprechend dem Fadenlauf und dem Zuschneideplan auf deinen Stoff.
Fixiere es mit geeigneten Hilfsmitteln und übertrage bei Bedarf die Schnittlinie sowie wichtige Markierungen.
Schneide den Stoff anschließend entlang der äußeren Schnittlinie zu.
Vergiss nicht, auch Knipse, Abnähermarkierungen und andere für das Zusammennähen benötigte Zeichen entsprechend der Anleitung zu übertragen.
Nahtzugabe bei Rundungen und Ecken richtig einzeichnen
Halsausschnitte, Armausschnitte und andere geschwungene Schnittkanten erfordern beim Hinzufügen einer Nahtzugabe etwas mehr Aufmerksamkeit.
Während du bei einer geraden Kante einfach eine parallele Linie zeichnen kannst, muss die neue Schnittlinie bei einer Rundung dem Verlauf der ursprünglichen Nahtlinie folgen.
Der Abstand zwischen beiden Linien sollte der vorgesehenen Nahtzugabe entsprechen.
Wie berechnet man die Nahtzugabe bei einem Halsausschnitt?
Wenn dein Schnittmuster beispielsweise eine Nahtzugabe von 1 cm am Halsausschnitt vorsieht, zeichnest du entlang der ursprünglichen Nahtlinie eine neue Kontur im Abstand von 1 cm auf der Zugabenseite ein.
Bei einer nach innen geschwungenen Halsöffnung verläuft die neue Schnittlinie dabei in Richtung der Stofffläche innerhalb des Ausschnitts.
Achte darauf, die Rundung gleichmäßig nachzuzeichnen und nicht einfach die ursprüngliche Linie in horizontaler oder vertikaler Richtung zu verschieben.
Besonders bei engen Rundungen kann eine zu breite Nahtzugabe die spätere Verarbeitung erschweren. Ob die Zugabe nach dem Nähen eingeschnitten, eingekürzt oder anderweitig verarbeitet werden muss, ergibt sich aus der jeweiligen Nähanleitung.
Wie zeichnet man eine Nahtzugabe an einer Ecke?
Bei zwei geraden Schnittkanten kannst du die jeweils vorgesehenen Abstände nach außen markieren und die neuen Linien bis zu ihrem Schnittpunkt verlängern.
Bei einer rechtwinkligen Ecke entsteht auf diese Weise eine entsprechend vergrößerte äußere Ecke.
Bei schrägen Nähten, Kragenecken oder besonderen Nahtverbindungen solltest du dagegen die Schnittkonstruktion und die vorgesehene Verarbeitung berücksichtigen. Nicht jede Ecke lässt sich sinnvoll allein durch das Verlängern zweier Linien gestalten.
Nahtzugabe beim Zuschneiden im Stoffbruch berechnen
Viele Schnittmuster enthalten Schnittteile, die im Stoffbruch zugeschnitten werden. Dabei wird der Stoff gefaltet und das Schnittteil mit seiner entsprechend gekennzeichneten Kante direkt an die Stofffalte gelegt.
Besonders häufig kommt diese Technik bei Vorderteilen, Rückenteilen oder symmetrischen Kleidungsstücken zum Einsatz.
Wichtig: An einer Kante, die direkt im Stoffbruch liegt und später nicht zusammengenäht wird, darf keine zusätzliche Nahtzugabe hinzugefügt werden.
Die Stofffalte bildet bereits die Mitte des späteren Schnittteils. Würdest du hier eine zusätzliche Nahtzugabe ergänzen, könnte sich die Breite des fertigen Kleidungsstücks verändern.
Beispiel: Ein Vorderteil im Stoffbruch zuschneiden
Du möchtest das Vorderteil eines Kleides zuschneiden. Die vordere Mitte soll im Stoffbruch liegen, während an der Seitennaht eine Zugabe von 1 cm benötigt wird.
In diesem Fall ergänzt du die Nahtzugabe ausschließlich an der Seitennaht und an weiteren Kanten, für die das Schnittmuster eine Zugabe vorsieht.
Die vordere Mitte bleibt ohne zusätzliche Nahtzugabe direkt an der Stofffalte liegen.
Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn die betreffende Kante ausdrücklich nicht als Stoffbruch, sondern beispielsweise als spätere Verbindungsnaht vorgesehen ist.
Saumzugabe und Nahtzugabe: Was ist der Unterschied?
Beim Zuschneiden eines Schnittmusters werden die Begriffe Nahtzugabe und Saumzugabe manchmal miteinander verwechselt.
Beide bezeichnen zusätzlichen Stoff, erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben.
Die Nahtzugabe wird hauptsächlich benötigt, um zwei Stoffteile miteinander zu verbinden. Die Saumzugabe ist dagegen der zusätzliche Stoffbereich, der für den Abschluss einer Stoffkante vorgesehen ist.
Sie wird beispielsweise am unteren Ende eines Kleides, an Ärmeln oder an Hosenbeinen benötigt.
Wie viel Saumzugabe braucht man?
Die benötigte Saumzugabe hängt von der Art des Saums, der Stoffdicke und dem gewünschten Erscheinungsbild ab.
Bei einem einfachen umgeschlagenen Saum eines Kleides können beispielsweise 3 cm vorgesehen sein. Ein besonders schmaler Rollsaum benötigt dagegen eine andere Zugabe.
Auch die Frage, ob der Stoff einmal oder zweimal umgeschlagen wird, spielt bei der Berechnung eine Rolle.
Beispiel: Saumzugabe für ein Kleid berechnen
Du möchtest ein Kleid nähen, dessen fertige Länge von der Schulter bis zur unteren Saumkante 100 cm betragen soll.
Wenn dein Schnittmuster diese Länge bereits bis zur fertigen Saumkante vorgibt und am unteren Rand eine Saumzugabe von 3 cm hinzugefügt werden muss, verlängerst du die entsprechende Schnittkontur dort um 3 cm.
Beachte dabei, dass dies nur die Saumzugabe betrifft. Eventuell zusätzlich benötigte Nahtzugaben an anderen Kanten müssen separat berücksichtigt werden.
Wenn das Schnittmuster die Saumzugabe bereits enthält, darfst du sie nicht ein zweites Mal hinzufügen.
Nahtzugabe bei der Overlock: Wie viel Zentimeter sind richtig?
Wenn du mit einer Overlockmaschine nähst, stellt sich häufig die Frage, welche Nahtzugabe du verwenden solltest.
Die Antwort hängt davon ab, wie breit deine Overlocknaht eingestellt ist und welche Zugabe das Schnittmuster vorsieht.
Bei vielen Nähprojekten mit elastischen Stoffen werden beispielsweise Nahtzugaben von etwa 0,7 cm bis 1 cm verwendet.
Entscheidend ist jedoch, dass du die Naht an der vorgesehenen Position nähst, damit die Maße des Kleidungsstücks erhalten bleiben.
Muss ich die Nahtzugabe bei der Overlock abschneiden?
Viele Overlockmaschinen verfügen über ein Messer, das die Stoffkante während des Nähens beschneidet.
Wenn dein Schnittmuster beispielsweise eine Nahtzugabe von 1 cm vorsieht, solltest du darauf achten, dass die spätere Nahtlinie weiterhin im vorgesehenen Abstand zur ursprünglichen Schnittkante liegt.
Wird zu viel Stoff abgeschnitten und die Naht dadurch weiter innerhalb des Schnittteils gesetzt, kann das fertige Kleidungsstück kleiner ausfallen als geplant.
Wenn du mit einer anderen Nahtbreite arbeiten möchtest als im Schnittmuster angegeben, musst du die Schnitt- und Nahtführung entsprechend anpassen.
Unser Tipp: Teste die gewählte Overlockeinstellung zunächst an einem Stoffrest. So kannst du überprüfen, wie viel Stoff tatsächlich abgeschnitten wird und wo die Naht entsteht.
Nahtzugabe vergessen: Was kann man jetzt noch tun?
Du hast dein Schnittmuster bereits auf den Stoff übertragen und zugeschnitten, aber erst danach bemerkt, dass die Nahtzugabe fehlt?
Das ist ärgerlich, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass dein gesamtes Nähprojekt verloren ist.
Welche Lösung infrage kommt, hängt davon ab, wie viel Stoff fehlt, wie das Schnittmuster konstruiert ist und ob das fertige Kleidungsstück noch ausreichend Bewegungsfreiheit bietet.
1. Überprüfe die vorhandene Schnittgröße
Bei einem sehr weit geschnittenen Kleidungsstück besteht möglicherweise etwas Spielraum für Anpassungen.
Prüfe die tatsächlichen Maße der zugeschnittenen Stoffteile und vergleiche sie mit den vorgesehenen Fertigmaßen des Schnittmusters.
Ist das Kleidungsstück ohnehin sehr locker geschnitten, kann möglicherweise eine schmalere Nahtzugabe verwendet werden. Das hängt jedoch vom Stoff und der vorgesehenen Verarbeitung ab.
2. Verwende eine andere Nahtverarbeitung
Bei geeigneten Stoffen und Schnittkonstruktionen kann eine schmalere Nahtverarbeitung helfen, den Stoffverlust zu reduzieren.
Wichtig ist dabei, dass die Naht ausreichend stabil bleibt und sich die Stoffkanten zuverlässig verarbeiten lassen.
Insbesondere bei stark beanspruchten Nähten solltest du keine beliebig schmale Nahtzugabe verwenden.
3. Schneide die betroffenen Schnittteile neu zu
Wenn die fehlende Nahtzugabe zu einer deutlich falschen Passform führen würde, ist ein erneuter Zuschnitt häufig die sinnvollste Lösung.
Das gilt besonders bei eng anliegenden Kleidungsstücken, bei denen bereits wenige Millimeter an mehreren Nähten einen spürbaren Unterschied machen können.
Kontrolliere vor dem erneuten Zuschnitt sämtliche Schnittteile und markiere die benötigten Zugaben deutlich, damit derselbe Fehler nicht noch einmal passiert.
Typische Fehler beim Berechnen der Nahtzugabe
Gerade beim ersten Nähen nach einem neuen Schnittmuster können kleine Fehler entstehen, die sich später auf die Passform auswirken.
Die folgenden Probleme treten besonders häufig auf:
| Fehler | Mögliche Folge | So vermeidest du ihn |
|---|---|---|
| Nahtzugabe vergessen | Das Kleidungsstück kann zu klein ausfallen. | Vor dem Zuschnitt prüfen, ob die Zugabe enthalten ist. |
| Nahtzugabe doppelt hinzugefügt | Das Kleidungsstück kann zu weit werden. | Angaben des Schnittmusteranbieters kontrollieren. |
| Unterschiedliche Nahtbreiten verwendet | Passform und Nahtverlauf können sich verändern. | Die vorgesehene Nahtzugabe beim Nähen konsequent einhalten. |
| Saumzugabe vergessen | Das Kleidungsstück kann nach dem Säumen zu kurz sein. | Saumzugabe separat berücksichtigen. |
| Nahtzugabe am Stoffbruch ergänzt | Das Schnittteil kann zu breit werden. | Die gekennzeichnete Stoffbruchkante ohne zusätzliche Zugabe an die Falte legen. |
| Rundungen ungleichmäßig verbreitert | Schnittkontur und Passform können verändert werden. | Nahtzugabe im vorgesehenen Abstand entlang der Kontur einzeichnen. |
Merke: Wenn du dir bei einer Nahtzugabe unsicher bist, solltest du die Nähanleitung noch einmal überprüfen, bevor du den Stoff zuschneidest. Das ist deutlich einfacher, als ein bereits zugeschnittenes Kleidungsstück nachträglich korrigieren zu müssen.
Häufig gestellte Fragen zur Nahtzugabe
Wie erkenne ich, ob die Nahtzugabe im Schnittmuster enthalten ist?
Ob die Nahtzugabe im Schnittmuster enthalten ist, steht normalerweise in der Nähanleitung oder direkt auf den Schnittteilen. Häufig findest du Formulierungen wie „Nahtzugabe enthalten“ oder „Nahtzugabe hinzufügen“. Sind sowohl Nahtlinie als auch Schnittlinie eingezeichnet, kannst du den Abstand zwischen beiden Linien anhand der Legende überprüfen.
Wie berechnet man 1 cm Nahtzugabe?
Bei einer geraden Schnittkante zeichnest du die neue Schnittlinie 1 cm außerhalb der vorgesehenen Nahtlinie ein. Wenn du an zwei gegenüberliegenden Seiten eines rechteckigen Schnittteils jeweils 1 cm Nahtzugabe ergänzt, erhöht sich das entsprechende Zuschnittmaß insgesamt um 2 cm.
Wie viel Nahtzugabe sollte man beim Nähen verwenden?
Bei vielen Kleidungsstücken sind Nahtzugaben von ungefähr 1 cm bis 1,5 cm üblich. Die tatsächlich benötigte Zugabe hängt jedoch vom Schnittmuster, vom verwendeten Material und von der vorgesehenen Nahtverarbeitung ab. Maßgeblich sind deshalb die Angaben in der Nähanleitung.
Muss man die Nahtzugabe bei jedem Schnittmuster hinzufügen?
Nein. Viele moderne Schnittmuster enthalten die Nahtzugabe bereits. Bei anderen Schnittmustern musst du sie selbst ergänzen. Überprüfe deshalb vor jedem Zuschnitt die Angaben des jeweiligen Schnittmusteranbieters.
Ist die Nahtzugabe auch am Stoffbruch notwendig?
Nein. Wenn eine Schnittkante ausdrücklich als Stoffbruch gekennzeichnet ist und dort später keine Naht entsteht, wird an dieser Kante normalerweise keine Nahtzugabe hinzugefügt. Die entsprechende Linie des Schnittmusters wird direkt an die Stofffalte gelegt.
Wie viel Nahtzugabe brauche ich bei der Overlock?
Bei vielen Overlockprojekten werden Nahtzugaben von ungefähr 0,7 cm bis 1 cm verwendet. Die benötigte Zugabe hängt jedoch von der Maschineneinstellung und den Angaben des Schnittmusters ab. Achte darauf, dass die spätere Naht an der vorgesehenen Position entsteht und nicht versehentlich zu viel Stoff abgeschnitten wird.
Was ist der Unterschied zwischen Nahtzugabe und Saumzugabe?
Die Nahtzugabe ist der zusätzliche Stoffbereich, der für das Zusammennähen von Stoffteilen benötigt wird. Die Saumzugabe ist dagegen der zusätzliche Stoffbereich, der für den Abschluss einer Stoffkante vorgesehen ist, beispielsweise am unteren Ende eines Kleides oder an einem Hosenbein.
Was passiert, wenn ich die Nahtzugabe vergessen habe?
Wenn die Nahtzugabe beim Zuschneiden vergessen wurde, kann das fertige Kleidungsstück zu klein ausfallen. Je nach Schnitt, Stoff und vorhandener Mehrweite können möglicherweise schmalere Nähte verwendet werden. Ist dadurch keine ausreichende Passform oder Nahtstabilität gewährleistet, müssen die betroffenen Schnittteile gegebenenfalls neu zugeschnitten werden.
Wie zeichnet man eine Nahtzugabe bei Rundungen ein?
Bei Rundungen wird die neue Schnittlinie im vorgesehenen Abstand entlang der ursprünglichen Nahtkontur eingezeichnet. Dabei solltest du den Abstand möglichst senkrecht zur jeweiligen Kontur messen. Ein Kurvenlineal kann helfen, die neue Linie gleichmäßig zu zeichnen.
Muss man die Nahtzugabe beim Ausdrucken eines PDF-Schnittmusters beachten?
Ja. Ein PDF-Schnittmuster sollte entsprechend den Druckvorgaben des Herstellers ausgedruckt werden. Kontrolliere dafür das vorgesehene Testquadrat. Bei einer falschen Skalierung verändern sich sowohl die Maße des Schnittmusters als auch bereits enthaltene Nahtzugaben.
Fazit: Mit der richtigen Nahtzugabe gelingt dein nächstes Nähprojekt
Die Nahtzugabe gehört zu den wichtigsten Grundlagen beim Nähen. Sie sorgt dafür, dass du deine Stoffteile korrekt zusammennähen kannst und das fertige Kleidungsstück die vorgesehene Größe erhält.
Bevor du mit dem Zuschneiden beginnst, solltest du deshalb immer überprüfen, ob die Nahtzugabe im Schnittmuster bereits enthalten ist. Falls nicht, kannst du sie mit einem Lineal oder einem geeigneten Nahtzugabenlineal selbst ergänzen.
Bei vielen Kleidungsstücken werden Nahtzugaben zwischen 1 cm und 1,5 cm verwendet. Je nach Stoff, Schnitt und Verarbeitung können jedoch andere Werte erforderlich sein. Auch die Saumzugabe und besondere Schnittkanten wie der Stoffbruch müssen beim Zuschnitt berücksichtigt werden.
Unser Tipp: Nimm dir vor dem Zuschneiden ein paar Minuten Zeit, um die Angaben deines Schnittmusters sorgfältig zu überprüfen. Eine korrekt eingezeichnete Nahtzugabe erspart dir später aufwendige Korrekturen und sorgt dafür, dass dein selbst genähtes Kleidungsstück möglichst genau so sitzt, wie du es dir vorgestellt hast.

